05.09.2008

Bayerisch Gmainer SPD besucht Haus Hohenfried

Bild: BGSw080905a
Die SPD-Besuchergruppe in Hohenfried
Im Rahmen ihrer Betriebsbesichtigungen besuchten die Bayerisch Gmainer Sozialdemokraten das im Gemeindegebiet angesiedelte "Haus Hohenfried", um sich über diese bedeutende Sozialeinrichtung zu informieren. Mit von der Partie waren auch der SPD-Kreisvorsitzende und Landtagskandidat Roman Niederberger sowie der Reichenhaller Ortsvorsitzende und Bezirkstagskandidat Guido Boguslawski.

Der stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Franz Sicklinger begründete den Besuch eingangs mit dem sowohl kommunal- als auch sozialpolitisch motivierten Interesse der Bayerisch Gmainer SPDler. Vorstand Stephan Weber und die Bereichsleiter Susanne Weber und Stephan Hensing stellten dann die Einrichtung vor, die sich als "Lebensort und Lebensraum für Seelenpflege-Bedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene" versteht und damit die ganzheitliche Ausrichtung bei der Betreuung Behinderter betont. Auf dem über 30 ha großen Gelände am Fuße des Lattengebirges sind Wohnhäuser, Werkstätten, Förderstätten, eine Landwirtschaft, Freizeiteinrichtungen und sogar eine Schule untergebracht.

185 Menschen unterschiedlichen Alters bewohnen z.Z. die in verschiedenen Häusern aufgeteilten Wohnungen in Wohngemeinschaften von 8 bis 12 Personen. Dabei wird großer Wert auf Selbstverantwortung gelegt, d.h. dass die BewohnerInnen z.B. hauswirtschaftliche Arbeiten selbst organisieren und ausführen; damit werden auch das Selbstwertgefühl des Einzelnen und die soziale Kompetenz der Gruppe wesentlich gefördert. Die Wohnungen sind unterschiedlich und sehr geschmackvoll eingerichtet, so dass sich die Bewohner dort wohl- und zu Hause fühlen können, wie sie in einigen Gesprächen auch lebhaft unterstrichen. Die Nachfrage nach Plätzen aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus dem Ausland ist groß, größer als das Angebot, das nach Fertigstellung der noch laufenden Bauarbeiten bei einer Kapazität von 226 Plätzen liegen wird.

Im Bereich Arbeit sind in der Landwirtschaft, Gärtnerei, Landschaftsgestaltung, der Tierpflege und den verschiedenen Werkstätten (Holzwerkstatt, Schreinerei, Kerzenmanufaktur, Kork- und Wachs-Recycling und Hauswirtschaft) derzeit ca. 80 Bewohner beschäftigt. In der dazugehörigen Förderstätte mit etwa 45 Plätzen werden u.a. Malen, Töpfern und Weben gepflegt. Im Aufbau begriffen ist eine eigene Bäckerei, geplant sind noch eine Lebensmittelveredelung sowie ein eigener Verkaufsladen. Durch das Vermitteln handwerklicher Fähigkeiten wird der Ausgrenzung Behinderter vom Arbeitsleben entgegengewirkt, aber auch hier steht die Intention (Philosophie) der Entwicklung der Persönlichkeit im Vordergrund.

Die hauseigene Förderschule besuchen ca. 40 Kinder und Jugendliche. Auch die Erlebnispädagogik mit vielfältigen Sport- und Freizeitangeboten soll zur Förderung der Selbständigkeit beitragen. Eine Besonderheit im Haus Hohenfried ist die Heilpädagogik mit Tieren. 13 Lamas, ein Esel, Pferde und Hunde "stehen im Dienste" des Heilens. Der Umgang mit Tieren hilft seelisch Geschädigten, Vertrauen aufzubauen, Vertrauen, das im Umgang mit Menschen beschädigt wurde oder verloren gegangen ist. Lamas sind, wie Susanne Weber erläuterte, dazu besonders geeignet, weil sie einerseits sehr sanftmütig und geduldig, andererseits aber auch nicht aufdringlich sind, eben die Menschen so nehmen wie sie sind. Ein eigener Verein M.U.T. kümmert sich um diesen Teil der Therapie, im Augenblick sind eine Therapiehalle und Stallungen für die Unterbringung der Tiere und die witterungsunabhängige Anwendung der Tiertherapie im Bau. Das Angebot der tiergestützten Arbeit wird den Hohenfriedern sowie für Menschen aus dem Berchtesgadener und Salzburger Land zur Verfügung gestellt.

Beeindruckt waren die Besucher beim anschließenden Rundgang von der Weitläufigkeit der Anlage, der geschickten Konzeption des Dorfensembles, den schönen Außenanlagen und der gediegenen Ausstattung der Räume. Ein richtiges kleines Dorf existiert hier am Rande Bayerisch Gmains, und, im Gegensatz zu derartigen Einrichtungen in den Städten, wo Behinderte mehr oder weniger in seelenlosen Zweckbauten untergebracht sind, können sich hier die Dorfbewohner in einer schönen Landschaft frei bewegen und agieren. Auch einige Gespräche mit den Bewohnern konnten geführt werden und es kamen nette Kontakte zustande.

Die Diskussion brachte zum Erstaunen der Besucher zutage, dass ein großer Teil geistiger und seelischer Behinderungen nicht angeboren ist, sondern beispielsweise durch Verwahrlosung, Gewalt in den Familien, Missbrauch von Kindern und ähnlichem entsteht. Es gelte daher, unterstrich Landtagskandidat Roman Niederberger, durch eine Politik des Hinschauens und der Zivilcourage solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen bzw. frühzeitig zu bekämpfen. Zur Finanzierung erfuhr man, dass die Bezuschussung für Baumaßnahmen und die Kostenerstattung für die Unterbringung nicht ausreiche, um alle Kosten zu decken. Der Träger der Einrichtung, Haus Hohenfried e.V., ist deshalb auch auf Spenden angewiesen (Konto 7230401, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00). Guido Boguslawski meinte dazu, jeder von uns könne infolge eines Unfalls oder einer Krankheit auch in eine solche Situation kommen und könne dann froh sein, eine solche Einrichtung vorzufinden.

Franz Sicklinger stellte zum Schluss anerkennend fest, das Besondere an Haus Hohenfried sei nicht nur die hervorragende Ausstattung und die bestens organisierte Betreuung, sondern vor allem die liebevolle Hinwendung der MitarbeiterInnen zu den
BewohnerInnen und deren Anerkennung als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft. Mit dem Wunsch, dass ein solches Beispiel in unserer Gesellschaft Schule machen sollte, dankte er den Verantwortlichen für die überaus interessante, lehrreiche und informative Besichtigung.


Bildunterschrift 01: Besuchergruppe im Haus Hohenfried: Bezirkstagskandidat Guido Boguslawski (2. v.l.), Landtagskandidat Roman Niederberger ( 4. v.l.); vom Haus Hohenfried: Stephan Weber, Susanne Weber, Stephan Hensing, (4., 3. und 2. v.r.)
Bildunterschrift 04: Das neue Laura Jane Addams-Haus in Hohenfried









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