25.06.2010

Prof. Dr. Dr. Rainer W. Hauck bei SPD-Veranstaltung zum Volksentscheid

Bayerisch Gmain. „Wir wollen ja die Raucher nicht kriminalisieren, aber die Nichtraucher müssen geschützt werden“! Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung und die verheerende Wirkung des Nikotins lässt die Mediziner jetzt das Wort ergreifen, um dem Volksentscheid am 4. Juli zum Erfolg zu verhelfen. In Bayerisch Gmain hatte die örtliche SPD zum Thema „Volksentscheid Nichtraucherschutz’“ eingeladen und konnte mit Professor Hauck einen prominenten örtlichen Arzt gewinnen, um die medizinische Seite des Rauchens zu beleuchten. Rechtsanwalt Christian Demmelmeier erläuterte bei der Veranstaltung die Unterschiede zum bestehenden Gesetz und kritisierte dabei die vielen und komplizierten Ausnahmeregelungen, die jetzt beim Volksentscheid wieder zurückgenommen werden sollen. Der Bayerisch Gmainer SPD-Ortsvorsitzende Franz Sicklinger konnte sich bei der Veranstaltung über einen lebhaften Zulauf freuen und auch die Sprecherin der Initiative im Berchtesgadener Land, Agnes Thanbichler aus Laufen, begrüßen.

Professor Dr. Dr. Rainer Hauck ist Chefarzt der Medizinischen Abteilung II der Kreisklinik Bad Reichenhall und Vorsitzender des Lungenzentrums Südost. In einem kurzweiligen, aber sehr eindringlichen Vortrag zeigte Professor Hauck die Wirkung des Rauchens bis hinein in die kleinsten Lungenbläschen, die der Rauch löchrig wie Schweizer Käse aussehen lässt, bevor er sie ganz zerstört. Die Faustregel „drei mal Zwanzig“ besage, dass zwanzig Zigaretten, zwanzig Jahre lang täglich geraucht ein zwanzigfach erhöhtes Lungenkrebsrisiko ergeben. 5000 Giftstoffe, davon 90 krebsauslösende oder Krebsverdachtsstoffe, bis hin zu Arsen oder Blei sind aber auch noch im Passivrauch nachzuweisen und die Wirkung im Menschen betreffe nicht nur die Lunge. Ein ganzer Strauß von gefährlichen Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz sind die Folge dieser Giftstoffe im Tabakrauch. Nach einer Veröffentlichung des Deutschen Krebsforschungszentrums sterben allein in Deutschland jedes Jahr 140.000 Raucher am Tabakkonsum und 3300 Nichtraucher an den Folgen des Passivrauchens. Schon leichtes Passivrauchen erhöhe das Risiko einer Herzerkrankung um 15 Prozent. Starkes Passivrauchen, zum Beispiel 8 Stunden am Arbeitsplatz in einer Gaststätte, erhöhe das Risiko auf 30 Prozent.

Über die Auswirkungen des Rauchens gibt es heute gesicherte Erkenntnisse bis in die kleinsten Details. Etwa dass 170.000 Kinder bereits im Mutterleib dem Zigarettenrauch ausgesetzt und 81 Todesfälle jährlich darauf zurückzuführen sind. Jeder einzelne Giftstoff, dem Passivraucher ausgesetzt sind, wird heute durch Studien nachgewiesen und man weiß, dass der Tabakrauch in der Raumluft die gleichen giftigen Substanzen enthält, wie der Rauch, den Raucher inhalieren. Passivrauchen ist gefährlich - und das in viel höherem Maße, als man früher angenommen hat, so Professor Hauck. Für Patienten mit Herzerkrankungen, Arteriosklerose oder nach einem Herzinfarkt müsste eigentlich der Zugang zu diesen Räumen ganz untersagt werden.

„Und vor allem Kinder und Jugendliche brauchen einen umfassenden Schutz vor dem Passivrauchen“, betonte Prof. Hauck. Ihre Organe befänden sich noch in der Entwicklung und seien anfälliger gegen Störungen, die sich auf ihr ganzes Leben nachteilig auswirken können. Davon betroffen seien in erster Linie das Wachstum und die Funktion der Lunge. So erhöhe Passivrauchen das Risiko für Beeinträchtigungen der kindlichen Lunge, die im Erwachsenenalter unter Umständen in chronische Atemwegserkrankungen mündeten. Vor einigen Jahren sei der Zigarettenkonsum bei Jugendlichen kurzfristig zurückgegangen. Mittlerweile habe sich das wieder umgekehrt: 500.000 Schüler in Bayern rauchen und der Anteil der 12 – 14-jährigen habe sich sogar verdreifacht. Das derzeit geltende Gesetz lasse aber, etwa bei Discos oder Kneipen, speziell dort Ausnahmen zu, die besonders von jungen Menschen besucht werden.

Anschließend an die medizinische Seite des Themas stellte Rechtsanwalt Christian Demmelmeier das von der Bürgerinitiative eingebrachte Gesetz für einen konsequenten Nichtraucherschutz vor. Eigentlich habe man dabei nur das von der CSU zum 1.1.2008 verabschiedete Gesetz zum Nichtraucherschutz wieder aufgegriffen. Im Jahr 2009 wurde das Gesetz jedoch aufgeweicht, mit der Folge, dass in Bayern wieder überall geraucht werde: In allen Bier-, Wein- und Festzelten, in vielen Einraumkneipen und in Raucherräumen vieler Restaurants. Auch in Raucherräumen vieler Diskotheken, obwohl dadurch gerade Jugendliche und junge Erwachsene zum Rauchen animiert werden. Mit einem „Ja“ beim Volksbegehren habe die bayerische Bevölkerung jetzt die Möglichkeit, einen Nichtraucherschutz ohne Ausnahmeregelung zum Gesetz werden zu lassen. Ein Volksentscheid werde unmittelbar zum Gesetz, sei zwingend und könnte nur vom Volk wieder geändert werden.

In der Diskussion griff die Vorsitzende der Initiative, Agnes Thanbichler Einwände von Gegnern des Volksentscheides auf. Leben und Leben lassen sei da zu hören und dass Rauchen angeblich zur bayerischen Lebensart gehöre. Der Gesundheitsaspekt kehre das mit dem „Leben lassen“ aber genau ins Gegenteil um und ungeniert einen Gastraum voll zu qualmen könne sie keineswegs als typisch bayrisch ansehen. Sie appellierte deshalb, am Sonntag hinzugehen und erinnerte daran, dass es auch, wie bei allen Wahlen, die Möglichkeit der Briefwahl gebe. Franz Sicklinger forderte in seinem Fazit die Wähler auf, sich doch nur die Interessenslage der Unterstützer und Gegner des Volksbegehrens anzusehen:
Die Bayerische Ärztekammer, der Apothekerverband, die Deutsche Krebshilfe, der Bayerische Landessportverband oder die Stiftung Kinder Gesundheit befürworten das Ja beim Volksentscheid. Im Gegensatz dazu rufen der Bundesverband der Zigarettenindustrie, die Tabakindustrie, der Tabakautomatenverband, die privaten Brauerein und die Vereinigung bayerischer Festwirte dazu auf mit Nein zu stimmen. „Daraus sei deutlich erkennbar, dass es letztlich nur um einen Interessenkonflikt zwischen der Gesundheit der gesamten Bevölkerung auf der einen Seite und den finanziellen Interessen der Tabaklobby auf der anderen Seite gehe. Und deshalb sei die Entscheidung klar: Ja zum Nichtraucherschutz beim Volksentscheid am 4. Juli!", so Franz Sicklinger vom SPD-Ortsvereiein Bayerisch Gmain.





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