08.06.2011

Klares NEIN zum Kirchholztunnel - SPD Bayerisch Gmain lehnt den Bau des Kirchholztunnels ab

Bild: BSSw110607c
Wo andere Parteien sich noch um eine klare Aussage drücken, hat die SPD Bayerisch Gmain eindeutig Farbe bekannt. „Wir sagen Nein zum Kirchholztunnel“ war die unter Beifall aufgenommene zentrale Aussage des Ortsvorsitzenden Franz Sicklinger bei einer Informationsveranstaltung im Bayerisch Gmainer Feuerwehrheim. Im voll besetzen Konferenzsaal konnte er zahlreiche Besucher und den Referenten des Abends, MdL a.D. Dipl.-Ing. Gustav Starzmann aus Bad Reichenhall begrüßen.

Im ersten Teil der Veranstaltung stellte Franz Sicklinger die vom Staatlichen Bauamt Traunstein vorgelegten Planungen mit einer Beamer-Projektion in den wichtigsten Teilen vor. Dabei merkte er kritisch an, dass es eigentlich Aufgabe des Bauamts gewesen wäre, die Bürgerinnen und Bürger umfassend zu informieren; mit der Auslegung von 9 Aktenordnern in den Rathäusern seien die Ansprüche an eine echte Bürgerbeteiligung in einem so komplexen Fall nicht erfüllt. Mit Fotos zeigte er die monströsen Ausmaße und den enormen Landschaftsverbrauch der drei geplanten Knoten Nord, Mitte (Golling) und Süd. Die in der Planung angeblich mit negativem Ergebnis untersuchten Alternativen seien nur als Alibi-Veranstaltung zu werten, denn im Erläuterungsbericht würden sie mit ein paar Sätzen abgetan.

An MdL a.D. Dipl.-Ing. Gustav Starzmann war es dann, die Planung kritisch zu durchleuchten, wobei freilich nur wenig Gutes zu finden war. Die Wiederaufnahme der Planung an der Olympiabewerbung aufzuhängen, sei lächerlich, führte Starzmann aus, denn auch bei den bisherigen WM-Veranstaltungen habe es nie Probleme gegeben und ein Großteil der auswärtigen Besucher würde ohnehin den bequemeren Weg über den Autobahnanschluss Anif/Marktschellenberg wählen. „Die für 2025 prognostizierten Verkehrszahlen“, monierte Starzmann zudem, „sind völlig überzogen, denn sie berücksichtigen weder die seit Jahren gleichbleibenden Fahrzeugzahlen noch den Bevölkerungsrückgang und die prozentuale Zunahme älterer Menschen, die erfahrungsgemäß weniger Auto fahren.“ „Und wenn“, so Starzmann weiter, „die prognostizierten Verkehrszahlen nicht stimmen, bricht die gesamte Planung in sich zusammen, denn ihr Fundament sind schließlich die zu erwartenden Verkehrszahlen.“ Tatsächlich brauchen wir auch keinen Tunnel, denn der Querschnitt der Umgehungsstraße reicht für den zu erwartenden Verkehr völlig aus, wie auch der Verkehrsexperte Dr. Hunger festgestellt habe. Lediglich eine „Ertüchtigung“ mit Linksabbiegespuren und Lärm- und Emissionsschutzmaßnahmen seien erforderlich. Er habe freilich Verständnis, mokierte sich Starzmann, dass Straßenbauer große Straßen bauen wollen, in denen der Verkehr „nur so flutscht“; vielleicht wolle sich auch jemand ein Denkmal mit dem längsten Straßentunnel nördlich der Alpen setzen; aber eine verantwortliche Verkehrsplanung bedeute eine Güterabwägung zwischen den Belangen des Verkehrs einerseits und denen von Mensch, Umwelt und Natur andererseits, und deren Interessen seien hier völlig unberücksichtigt geblieben. Aber auch verkehrstechnisch sah Starzmann grobe Schnitzer in der Planung. So sei es beispielsweise blanker Unsinn, an der Stadt vorbei einen Tunnel zu bauen, an dessen nördlichem Anschlussstück (B 20 durch Piding), das eine wesentlich höhere Verkehrsfrequenz habe, aber alles beim Alten zu lassen. Die heute schon bekannten Verkehrsstaus an Spätnachmittagen, wenn arbeitende Bevölkerung und Ausflügler wieder Richtung Norden fahren, spielen sich dann aber nicht mehr unter freiem Himmel ab, sondern reichen in den Tunnel zurück, der vielleicht dann sogar zeitweise gesperrt werden müsse. Auch der in das enge Wappachtal hineingequetschte Knoten Mitte mit seiner hohen Brücke, den achterbahnartigen Aus- und Einschleifern und dem zusätzlichen Kreisverkehr sei nicht „das Gelbe vom Ei“ und habe für die Benutzung des Tunnels wahrscheinlich eher eine abschreckende Wirkung.

Da der Kirchholztunnel samt Knoten Mitte zum größten Teil auf oder unter Bayerisch Gmainer Gebiet liegt, ging der Referent noch auf die besonders für Bayerisch Gmain entstehenden Probleme ein. Geologisch, sagte er, bestehe der Untergrund des Kirchholz aus Haselgebirge und Nagelfluh und weise seit jeher wegen der Gips- und Salzauswaschungen zahlreiche Dolinen und Erdfälle auf. Diese würden durch den Bau eines Tunnels noch verstärkt und für die Häuser oberhalb des Tunnels können statische Gefährdungen in Form von Geländesenkungen entstehen. Das idyllische Naherholungsgebiet Golling werde durch den Bau des Knoten Mitte völlig zerstört, teils durch den enormen Flächenverbrauch, teils auch durch die von der freiliegenden Trasse samt Brücke ausgehenden Lärm- und Schadstoffemissionen. Und durch den Bau eines im Kirchholz mündenden Abluftkamins werde dann „der ganze Dreck“ in nur 250 m Entfernung von reinen Wohngebieten ausgeblasen.

Man sehe sehr wohl die an der Umgehungsstraße vorhandenen Probleme. Um diese zu lösen brauche man aber keinen 165 Mio € teueren Tunnel, die Probleme könnten vielmehr auch im Bestand behoben werden, und er empfahl die von dem Verkehrsexperten Dr. Ditmar Hunger ins Spiel gebrachte Variante: „Ertüchtigung“ der B 21 mit Linksabbiegespuren, Anschluss der B 20 in Höhe Festplatz über Kreisverkehr, kurzem Tunnel durch den Stadtberg und Einfädelung auf die B 20 nach einer Brücke über Wappach und Bahn; diese Variante koste nur 35 Mio €, man erspare sich also viel Geld. Dafür könne man dann noch eine von Dipl.-Ing. Reinhard Müller vorgeschlagene Teil-Einhausung mit Lärmschutz und Schadstoffabführung realisieren.

In der Diskussion, die vom stellvertretenden Ortsvorsitzenden Arnim Schläfke geleitet wurde, wurden die bereits vorgebrachten Argumente bestätigt und neue eingebracht. Heftig wurde die Informationspolitik und die einseitig nur auf die „Leichtigkeit des Verkehrs“ ausgerichtete Planung kritisiert. Das geplante Projekt Kirchholztunnel mit den Knoten wurde von den Teilnehmern abgelehnt.

Was könne der Einzelne nun tun? Diese Frage beantwortete Franz Sicklinger mit der Erläuterung der Bürgerbeteiligung mittels Einzel- oder Sammeleinwendungen gegen das Projekt. Diese müssen bis 15. Juni 2011 bei der Regierung von Oberbayern, Maximilianstraße 39, 80538 München vorliegen und begründet sein. Eine vorformulierte Sammeleinwendung wurde dann sogleich von einem Teil der Versammlungsteilnehmer unterzeichnet, für die Einzeleinwendungen stellte der SPD-Ortsverein einen Argumentationskatalog zur Verfügung, von dem reichlich Gebrauch gemacht wurde. Mit dem Dank an die Anwesenden für Ihr Interesse und der Aufforderung, die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung zu nutzen und zahlreich Einwendungen gegen das Projekt bei der Regierung von Oberbayern einzureichen, schloss der SPD-Ortsvorsitzende die Veranstaltung.





zurück

Dr. Bärbel Kofler

Dr. Bärbel Kofler
Unsere Bundestagsabgeordnete - Für Sie in Berlin!

SPD-Kreisverband Berchtesgadener Land

SPD-Kreisverband Berchtesgadener Land

Dr. Herbert Kränzlein

Dr. Herbert Kränzlein
Unser Landtagsabgeordneter - Für Sie in München!

Maria Noichl

Maria Noichl
Unsere Europaabgeordnete - Für Sie in Brüssel!