03.11.2011

Chancengleichheit mit der Gemeinschaftsschule

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Die von der BayernSPD vorgeschlagene „Gemeinschaftsschule“ war Thema der jüngsten Ortsvereinsversammlung der Bayerisch Gmainer SPD.
Einen Antrag auf Änderung des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen mit dem Ziel, als weitere Schulform eine „Gemeinschaftsschule“ zuzulassen, hatte die Landtags-SPD im September vorigen Jahres eingebracht. Nun wurde diese Initiative kürzlich im Landtag von der CSU/FDP-Mehrheit abgelehnt. Grund für den Bayerisch Gmainer Ortsverein, sich über dieses Thema eingehend zu informieren. Er hatte dazu die Bildungspolitikerin Martha Kaleta, Mitglied des Landesvorstands der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der BayernSPD, als Referentin eingeladen.

Der Ortsvorsitzende Franz Sicklinger forderte eingangs Chancengleichheit im Bildungswesen, wie sie auch im Grundgesetz festgeschrieben sei. Alle Kinder sollten gleiche Bildungschancen haben, unabhängig von ihrer Herkunft und von der Bildung, der gesellschaftlichen Stellung und vom Geldbeutel der Eltern. Davon sei man aber noch meilenweit entfernt, wie zahlreiche Studien und die Kritik von UNESCO, UNICEF, OECD und EU am deutschen Schulsystem belegen. In Bayern sei die Chancenungleichheit besonders stark ausgeprägt, mit 37,6 % Studienberechtigten liege Bayern im Ländervergleich nur auf dem 13. von 16 Plätzen, der Bundesdurchschnitt betrage 45,5 % (Quelle: Statistisches Bundesamt). Da sicher die bayerischen Schüler nicht dümmer seien als die anderer Bundesländer, müsse es wohl am bayerischen Schulsystem liegen. Und nachdem sich nun auch die CDU von der Hauptschule verabschiedet habe, sei Bayern das letzte Bundesland, das aus ideologischen Gründen weiterhin stur am dreigliedrigen Schulsystem festhalte. Eine Änderung dieses Systems sei überfällig und die Initiative der Landtags-SPD zur Einführung der Gemeinschaftsschule zu begrüßen.

Martha Kaleta, die sich nicht nur theoretisch mit Bildungspolitik beschäftigt, sondern als Lehrerin auch vom Fach ist, erläuterte dann die Vorstellungen der bayerischen SPD zum Schulsystem und zur Einführung einer Gemeinschaftsschule. Diese umfasst unter einem gemeinsamen Dach die Jahrgangsstufen 1 – 10. Je nach Schulgröße können Jahrgangsklassen oder jahrgangsgemischte Klassen gebildet werden. Durch moderne jahrgangs- und klassenübergreifende Konzepte bietet die Gemeinschaftsschule ein differenziertes Bildungsangebot. Jeder Schüler kann sich mit den Lernangeboten und zusätzlichen Kursen und Fachmodulen auf den individuell angestrebten und für ihn möglichen Abschluss vorbereiten. Eine Aufteilung der Schüler nach Schularten findet in der Gemeinschaftsschule nicht statt, so dass der Übertrittsstress nach der 4. Klasse Eltern und Kinder nicht mehr belastet. Nach der 10. Klasse erreichen die Schüler, je nach erreichten Lernzielen, den Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss oder die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Letztere wird als Oberstufenzentrum, zuständig für mehrere benachbarte Gemeinschaftsschulen, organisiert. Die Gemeinschaftsschule nach dem Vorschlag der BayernSPD ist ein ergänzendes Angebote zu den bisherigen Schultypen und wird nur dort eingerichtet, wo Kommune, Eltern, Lehrer und Schüler dies beantragen.

Neben dem bildungspolitischen habe die Idee der Gemeinschaftsschule auch einen kommunalpolitischen Aspekt, so die Referentin weiter: Aufgrund des Schülerrückgangs sind hunderte von Schulstandorten in Bayern gefährdet und durch Zusammenlegungen werden die Schulwege für die Kinder immer länger. Andererseits werden aufgrund erhöhter Übertrittszahlen die Räumlichkeiten der Gymnasien und Realschulen bald nicht mehr ausreichen; dort sind dann teure Erweiterungsbauten notwendig (die als Sachaufwandsträger der Landkreis zu bezahlen hat), während andererseits ganze Schulgebäude von Grund- und Hauptschulen leer stehen werden. Mit der Einführung der Gemeinschaftsschule bleiben nicht nur die Schulstandorte erhalten, auch die Schüler können wohnortnah bis zur 10. Klasse unterrichtet werden, die langen Wege bleiben ihnen erspart.

In der anschließenden Diskussion wurde eine Reihe von Einzelfragen angesprochen und geklärt. U.a. wurde eine Studie des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands aus dem Jahr 2009 zitiert, wonach bis zum Jahr 2030 mehr als die Hälfte aller 2009 bestehenden 1.075 Haupt- und Mittelschulstandorte in Bayern, vor allem auf dem Land, wegbrechen werden; im Landkreis Berchtesgadener Land werden dann 3 der 9 Standorte geschlossen. Einige Teilnehmer sahen in der Gemeinschaftsschule eine Chance zum Erhalt des Schulstandorts in ihrer Heimatgemeinde; auch auf die langen Schulwege der sog. Mittelschulverbünde und insbesondere zur Realschule in Freilassing wurde hingewiesen, die den Schülern erspart bleiben könnten.

Der Ortsvorsitzende Franz Sicklinger zeigte sich am Ende der Veranstaltung enttäuscht, dass die CSU/FDP-Mehrheit im Landtag diese Initiative abgelehnt habe; da die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule nach dem Vorschlag der SPD ja nur auf ausdrücklichen Wunsch der „Schulfamilie“ erfolgen sollte, sei dies eine unangebrachte Bevormundung von Eltern, Schülern, Lehrern und der Kommunen, indem man ihnen diese Wahlmöglichkeit vorenthalte. Die CSU ignoriere hier wieder einmal den Willen der Bevölkerung, wie schon so oft in den vergangenen 50 Jahren, von der Abschaffung der Bekenntnisschule 1968 bis zum Nichtraucherschutz 2010. Sie könne wohl nur durch massiven Druck der Öffentlichkeit und der Wähler beeinflusst werden.




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